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Mouches volantes in den Religionen: Der Islam – Teil 2: Die Sufi-Mystik

(Artikel von Floco Tausin, PDF-Datei)

Mouches volantes – Glaskörpertrübung oder Bewusstseinslicht? Der Blick auf die Religionen lässt vermuten, dass Mouches volantes für viele Menschen eine spirituelle Bedeutung hatten. In diesem Artikel werden Mouches-volantes-Motive im Islam vorgestellt.
Alle haben sie, fast alle sehen sie, und nur wenige schauen hin: die vereinzelten, transparenten und beweglichen Punkte und Fäden im Blickfeld. In der Augenheilkunde werden sie „Mouches volantes“ genannt und als Glaskörpertrübung verstanden. Dieser Artikel basiert auf der seherischen Erfahrung, dass Mouches volantes keine Trübung, sondern eine leuchtende Struktur und ein Ausdruck unseres Bewusstseinszustandes sind. Deshalb nenne ich sie im Folgenden „Leuchtstruktur“ oder „Leuchtkugeln“ und „Leuchtfäden“.

In meiner weiteren Forschung fand ich zahlreiche Hinweise darauf, dass die Kugeln und Fäden der Leuchtstruktur – zusammen mit anderen entoptischen Erscheinungen – bereits von früheren Menschen vieler Kulturen wahrgenommen wurden. Die Vermutung ist, dass frühe Ekstatiker oder Schamanen sie während Praktiken der rituellen Bewusstseinsveränderung gesehen, mythisch oder spirituell gedeutet und künstlerisch ausgedrückt haben. Und dass diese Erscheinungen von da Eingang in die frühen Zivilisationen gefunden haben oder auch immer wieder neu entdeckt wurden. In dieser Artikelreihe entwickle ich diese Idee weiter: Als sich die Religionen als eigene Systeme herauszubilden begannen, wurden auch sie Träger der Leuchtstruktur-Symbolik. Mit dieser These widmet sich der vorliegende Artikel dem Islam.

Sufismus – die islamische Mystik
Anders als im westlichen Christentum hat sich die islamische Mystik nicht in Klöstern entwickelt. Einzelne Muslime haben in ihrem Streben nach völliger Hingabe (arab. islam) an Gott eine weltflüchtige, asketische Lebensweise angenommen. Schon bald kristallisierten sich zwei Richtungen heraus, eine nüchterne, spekulative und eine ekstatisch-rauschhafte Mystik. Ab dem 10. Jh. entstanden Systeme mystischer Spekulationen, in denen Vorschriften und Praktiken, aber auch Erfahrungen, Erleuchtungszustände und ihre Stufen dargelegt wurden. Diverse Autoren versuchten, die Mystik mit dem orthodoxen Islam zu versöhnen. Dazu gehörte, die Mystik als innere Lehre des Koran und als Weiterführung des Religionsgesetzes (arab. shari’a) darzustellen und von allzu ekstatischen Exzessen abzugrenzen...